Zwillinge im Dienst der Wissenschaft

AIRR-Studie:  Bessere Therapien für chronische Lungenerkrankungen bei Frühgeborenen

Die Frühchen Charlie und Xarius sind am gleichen Tag geboren, aber viel zu früh. Die Mediziner und Wissenschaftler möchten nun wissen: Bekommen sie – wie viele Frühchen – eine Lungenerkrankung?
Wenn ja, können wir diese Erkrankung wenigstens früher erkennen?

Verfolgen Sie die Entwicklung der Zwillinge vom Brutkasten bis in die MRT-Röhre. Erleben Sie die Fortschritte unserer Forscher hautnah.
Bis zu einer entscheidenden Erkenntnis...

Beatmung von Frühgeborenen - Fluch und Segen

Erfahren Sie, warum die Sauerstoffversorgung eine chronische Lungenkrankheit auslösen kann:

BPD bei Frühgeborenen

Die Ausgangslage:  30% der Frühchen bekommen eine Bronchopulmonale Dysplasie (BPD).

Das Problem: BPD kann bis jetzt nicht rechtzeitig genug diagnostiziert werden.

Der Forschungsansatz: Wenn wir BPD früher diagnostizieren, können wir auch viel früher wichtige Therapien einleiten.

BPD: Frühere Diagnose = Bessere Therapie

Das Team der AIRR-Studie hat deswegen drei innovative Ansätze ausgearbeitet, um BPD früher und genauer diagnostizieren zu können. Mit diesen Untersuchungsmethoden macht es sich auf die Suche nach Biomarkern (Hinweisgebern) für BPD:

 

Die Untersuchung von Zellen aus dem Lungengewebe ergab zum Beispiel: Das Risiko für BPD ist umso höher, wenn die Produktion eines bestimmten Wachstumsfaktor-Rezeptors verringert ist. Das ist ein Molekül, das eigentlich die Bildung der Lungenbläschen und des Lungengerüstes unterstützt.

 

Die Lungenfunktionsmessung muss bei den zarten Patienten mit besonderer Sorgfalt gemacht werden. Atemfrequenz und Ruheatemvolumen geben endgültig Aufschluss darüber, inwieweit die Lunge der Babys bereits durch die Entwicklung einer BPD in ihrer Funktion geschädigt ist.

 

Die Magnetresonanztomographie hat bei Kindern den Vorteil, ohne Strahlenbelastung Veränderungen der Lunge sensitiv darstellen zu können (siehe folgendes Video). Damit wurden bereits vielversprechende Hinweise (Marker) auf BPD entdeckt.

Entscheidender Durchbruch: Frühe und sichere Diagnose von BPD dank dreier Proteine

Es ist wie bei der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Nur: Das AIRR-Team hat sie entdeckt! Eigentlich sogar drei davon. Aber der Reihe nach ...

Um einen möglichst genauen Biomarker zu finden, der die Entstehung von BPD anzeigt, untersuchten die Forscher das Blutserum von 35 Frühgeborenen - einmal in der ersten Lebenswoche und dann noch einmal am 28. Lebenstag. In den Proben fahndeten sie nach Veränderungen von Proteinen (Eiweißen). Welche der über tausend Proteine verraten bereits direkt nach der Geburt eine drohende BPD?

Ergebnis: Es sind genau drei!

Diese drei Proteine spiegeln drei Veränderungen in der Lunge wieder, für die eine Rolle in der Entwicklung einer BPD vermutet wird. Bestätigt sich dieses Ergebnis in weiteren Tests, könnten diese drei „Marker-Proteine“ eine einfache Frühdiagnose von BPD möglich machen.

Ein Ergebnis, das Anne Hilgendorff begeistert:

Einige Wochen sind vergangen. Charlie und Xarius werden größer. Aber wie sieht es in ihren Lungen und in ihren Gehirnen aus? Wie haben sie sich jeweils entwickelt? Das möchte Dr. Kai Förster genau wissen. Charlie soll deswegen „in die Röhre“, ins MRT.

Eine besondere Herausforderung bei einem so kleinen und empfindlich-zarten Patienten. Doch das Team hat sich was ausgedacht ... :

Die Vision: Besser testen,
früher diagnostizieren, Therapie anpassen

Die nächsten Schritte des AIRR-Teams um Dr. Anne Hilgendorff:

  • Ein Nachweisverfahren für die die drei BPD-Marker-Proteine entwickeln, das für die Klinik-Routine geeignet ist
  • Verbesserte Therapieoptionen ausarbeiten - von Kortisongaben oder Vitamin A bis zur Anpassung der Flüssigkeitszufuhr oder Beatmungssituation
  • Und nicht zuletzt: Die Forschungsergebnisse in Folgestudien am Klinikum der LMU wie auch am Uniklinikum Gießen mit Kindern aus der AIRR-Studie und dann mit anderen Patienten aus Kliniken in Deutschland oder weltweiten Partnern testen, überprüfen, bestätigen

Damit künftige Frühgeborene mit BPD keine oder wenig Probleme haben. Ein Ziel, das Anne Hilgendorff immer vor Augen hat:

Credits:

Redaktion, Texte, Videos: Doris Hammerschmidt

Bilder: Doris Hammerschmidt, Tobilander/Fotolia, Ezume Images/Fotolia

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